Darf ich Ihnen das „Tschüss“ anbieten?

Manche Tage sind einfach wie verflucht. Gerade wenn du so friedlich vor dich hin lebst, kommt so ein ‚gestresstes Nervensystem‚ um die Ecke und wirft dich voll aus der Bahn.

Spitze Bemerkungen im Vorbeigehen, übergriffiges Verhalten und Wutausbrüche von Außen kommen plötzlich und überrumpeln uns, ganz egal ob wir grade tiefenenspannt oder selbst im Stress sind.

Eine natürliche Reaktion auf einen Angriff ist die Abwehr. Insbesondere in nahen Beziehungen ist es ein klärendes Streitgespräch sinnvoll. Hier können Bedürfnisse kommuniziert werden und gemeinsame Lösungen erarbeitet werden. Es zeugt von Empathie, einen Angriff aus dem nahen Umfeld aufzugreifen, um die wahren Gründe für die Wut offenzulegen. Denn häufig sind wir, als nahestehende Personen, der „Safe Space“ an dem wir unsere Emotionen zeigen dürfen, ohne schwerwiegende Konsequenzen befürchten zu müssen.

Daneben gibt es jedoch auch Interaktionen mit unserem Umfeld, die weniger intim sind und sich spontan zeigen. Natürlich könnte man auch hier wieder in die Beziehungsebene gehen und nachfragen, wo eigentlich wirklich „der Schuh drückt“. Die Erfolgschancen zufrieden aus solch einem Gespräch gehen, schätze ich als eher schlecht ein. Wir kennen unser Gegenüber (den Postboten, Fahrradfahrer, Artzhelferin, etc. )eben nicht besonders gut, und wissen nicht welche Fettnäpfchen sich in diesem verbergen.

Wie kommen wir also gut aus so einer Situation raus?

In solchen Situationen ist es gar nicht so wichtig, sich zu wehren, sondern viel mehr sich selbst zu schützen. Deshalb steht am Anfang die Frage „Was ist mit selbst gerade wichtig?“. In den meisten Fällen dürfte tatsächlich die Antwort eher „Frieden“ als „Krieg“ sein, oder?

Mit einem ‚gestressten Nervensystem‘ lässt sich nicht konstruktiv diskutieren, da ab einem Stresspegel von etwa 70% das Rationale Denken abgeschaltet wird. Stattdessen wird die Durchblutung hochgefahren , die Muskulatur aktiviert und Sauerstoffzufuhr erhöht. Der Körper ist im Kampfmodus.

Deswegen ist meine Empfehlung:

  1. Raus aus der Situationen (Für Frieden sorgen)
  2. Selbstfürsorge (z.B. sich klar machen: „Diese Aggression hat nichts mit mir zu tun.“)
  3. Konsequent seine Wünsche verfolgen (z.B. Klärung, Vermeidung, Ignoranz)
  4. Die Situation für sich selbst abschliesen

Manche Kämpfe sind es also wert liebvoll ausgetragen zu werden, insbesondere wenn sich dahinter eine gesunde Beziehung verbirgt. Meistens sind diese kleinen Auseinandersetzungen jedoch genau die, die uns am Ende die Energie rauben und uns selbst unzufrieden machen. Wenn wir wirklich zufrieden aus schwierigen Situationen gehen möchte, so ist es wichtig seine Energie für die eigenen Interessen zu bewahren und die Situation für sich selbst auf psychischer und körperlicher Ebene abzuschließen. Mehr zum Thema Regulation erfährst du wöchentlich in meinem Blog.

Tschüss 🙂

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