„Zeit, die wir uns nehmen, ist Zeit, die uns etwas gibt.“

Ernst Ferstl, österreichischer Lehrer und Schriftsteller, *1955

Grenzen helfen uns dabei Zeit für die Dinge zu schaffen, die uns am Herzen liegen.

Leider ist das Wort „Grenze“ an sich schon negativ geprägt, sodass es sich schon falsch anfühlen kann überhaupt „Grenzen setzen“ zu wollen.

Schauen wir uns mal beide Seiten der Medaille an:

Grenzen können ’negativ‘ betratet…

  • … das Handeln einschränken
  • … zu Konflikten führen
  • … unangenehme Gefühle auslösen
  • … uns voneinander distanzieren.

‚Positiv‘ betrachtet können Grenzen…

  • Schutz bieten
  • Selbstschutz ermöglichen
  • … für Klarheit sorgen
  • … die eigene Identität schützen
  • … helfen Prioritäten zu setzen
  • … unsere körperliche Gesundheit fördern
  • … unsere mentale Gesundheit unterstützen

Die Liste kann mit Sicherheit noch fortgeführt werden. Was ich damit zeigen möchte ist, dass Grenzen setzen zunächst einmal nicht zwangsläufig zu den negativen Konsequenzen führen muss. Insbesondere, weil in der ersten Liste die Punkte nicht umbedingt negativ ausfallen. Beispielsweise emöglicht ein eingeschränktes Handeln, sich besser auf den eingeschränken Bereich konzentrieren zu können. Oder Konflikte müssen nicht bestehen bleiben und können aufgelöst werden.

Hier nur Schwarz-Weiß zu sehen kann uns davon abhalten mutig zu sein und zu erfahren, welche wertvollen Vorteile es bringen kann Grenzen zu setzen. Wenn wir also nicht nur das Wort „Grenze“ betrachten, sondern das was sich dahin verbirgt wird schnell klar, dass „Grenzen setzen“ eine Handlung ist, die vielmehr neutral betrachtet werden darf.

Dies ist der erste Schritt sich dem Thema erstmal theoretisch zu nähern.

Was darauf folgt ist, das neugierige Erkunden danach zu handeln. Du kannst damit beginnen dir selbst Grenzen zu setzen. Ein Beispiel wäre die Bildschirmzeit deines Smartphones zu begrenzen, oder die Menge der Süßigkeiten, die du dir täglich genehmigst.

Das sind kleine Veränderungen im Alltag, die eine große Wirkung mit sich bringen können. Versuche einmal zu bemerken, was sich dadurch zum positiven verändert. Vielleicht hast du durch die zuvor genutzte Zeit für dein Smartphone Zeit nun für dich und deine direktes Umfeld zur Verfügung. Gleiches gilt für die Zeit, Kalorien und Geld für den Süßigkeitenkonsum. Lege dir ein Sparschwein und Maßband zu und mache sichtbar, welche Fortschritte du mit Grenzen erreichen kannst.

Mehr zum Thema Grenzen setzen und was es mit Freiheit zu tun hat erfährst du im nächsten Blog.

„Das Gefühl verdächtige ich nicht, falsch zu sein.“

Zitat: Luc de Clapiers (1715-1747), franz. Philosoph, Moralist und Schriftsteller

Was damals noch eine Vermutung aufgrund von Beobachtung war, ist heute auch wissenschaftlich belegt. Gefühle sind echt.

Aber was sind Gefühle eigentlich? Wo kommen sie her und sind sie auch ehrlich?

Grob könnte man Gefühle in zwei Kategorien sortieren:

  • angenehm
  • unangenehm

Man könnte geneigt sein diese beiden Kategorien mit ‚richtig‘ und ‚falsch‘ zu verwechseln, denn die einen lassen uns am Leben teilhaben und die anderen isolieren uns.

Angenehme Gefühle wie Freude, Zufriedenheit, Sorglosigkeit und Gelassenheit erzeugen in uns angenehme Gefühle, wir genießen deren Anwesenheit. Sie lassen uns gut fühlen und sind jederzeit willkommen. Diese Gefühle teilen wir gerne mit anderen und es verleiht uns einen extra Schub an Energie. Wir fühlen uns wohl in unserer Haut und die Aura, die uns umgibt, zieht Menschen in unserer Umgebung an.

Unangenehme Gefühle wie Ärger, Angst, Traurigkeit und Hoffungslosigkeit machen genau das Gegenteil. Sie lassen uns schlecht fühlen, sie entziehen uns unsere Kraft. Sie machen, dass wir uns an einen Ort der Sicherheit zurückziehen. Ob das nun ein Mensch ist, ein Ort oder eine Gewohnheit. Diese Gefühle zeigen unsere Verletzlichkeit, weshalb wir den Drang verspüren uns zu distanzieren und zu schützen.

Um nicht zu sehr mit (neuro)wissenschaftlichen Vorgängen zu langeweilen, möchte ich die Ursprünge von Emotionen im Körper nur beispielhaft erwähnen. Sowohl Erinnerungen, erlerntes Verhalten, als auch äußere Umstände, organische Vorgänge und auch Reaktionen im Gehirn selbst können unser subjektiv empfundenes Gefühl auslösen.

Gefühle sind so komplex, dass sich deren Herkunft häufig nicht klar herausfiltern lässt. Klar ist, meistens haben sie etwas mit uns zu tun. Mit dem was wir erlebt haben und vor allem, was wir mit dem Erlebten verbinden.

Nun kommen wir noch zu der letzten Frage: Sind unsere Gefühle ehrlich?

Grundsätzlich schon. Unsere Gefühle sind wie Wegweiser. Sie machen uns auf die Dinge aufmerksam, die uns etwas bedeuten. Egal ob Angst, Trauer oder Glück, nur Dinge zu denen wir einen besonderen Bezug haben, lösen Gefühle in uns aus. Umso wichtiger die Sache, desto intensiver das Gefühl.

Manchmal ist es allerdings so, dass wir durch erlerntes Verhalten ein Gefühl durch ein anderes abgelöst haben. Es könnte also sein, dass wir Wut empfinden, aber eigentlich traurig sind. Oder wir gerührt sind, uns aber zusammenreißen und kein Gefühl zulassen. Oder wir wütend sind und trotzdem lächeln und Zufriedenheit ausstrahlen.

Wir haben gelernt, dass ein bestimmtes Gefühl nicht erwünscht ist. Wir haben vielleicht schlechte Erfahrungen gemacht, sodass das neue Gefühle uns schützt erneut Schmerzhaftes zu erleben. Also weist uns in diesen Momenten das neue Gefühl einen Weg der Sicherheit. Jedoch auf Kosten der eigenen Bedürfnisse.

Deshalb ist es immer wichtig zu prüfen, ob das was ich fühle ein Wegweiser für Sicherheit ohne Schmerz ist. Uns ob sich unter diesem Gefühl nicht eine verborgene Angst verbrigt, sich selbst einer persönlichen Herausforderung zu stellen.

Egal ob Sicherheit oder persönliche Bedürfnisse, unsere Gefühle sind die wertvollsten Hinweise für ein erfülltest und glückliches Leben. Es lohnt sich, gerade die Unangenehmen Gefühle für einen Moment willkommen zu heißen und kritisch zu hinterfragen, warum sie jetzt gerade da sind. Genau an diesen Stellen können wir so viel über uns lernen, was uns in Zukunft weitere unangenehme Gefühle dieser Art erspart! 🙂

Wenn du dich nur noch im Kreis drehst, ist es an der Zeit, aus der Reihe zu tanzen

„Hinfallen, aufstehen, Krone richten, weiterlaufen.“ Das ist der Satz, den meine Hebamme nach der Geburt meiner Tochter unentwegt zitierte. Genau das bedeutet Mutter sein. Genau das bedeutet Leben.

Liegen bleiben ist keine Lösung. Aber was ist, wenn ‚man‘ einfach nicht mehr kann?

In der letzten Woche stellte ich die Frage, wann der Zeitpunkt für Veränderung gekommen ist. Spätestens wenn wir erschöpft oder ausgebrannt sind, haben wir den Punkt der Veränderung schon lange überschritten. Was jetzt?

Muster durchschauen

Wenn wir uns immer wieder dabei erwischen, an dem gleichen Projekt zu scheitern, lohnt sich ein genauer Blick auf unsere Vorgehensweise.

Ein klassisches Beispiel im Elternalltag:

Es ist Kita-Zeit. Das Kind muss noch angezogen werden und stellt sich quer. Es rennt weg und wenn wir es eingeholt habe, fängt es an zu lachen, reißt sich wieder los und es beginnt von vorne. In uns wächst der Zeitdruck und es schwindet die Geduld. Die Stimmung kippt, Wut und Ärger stehen im Raum, das Kind beginnt zu weinen und die Katastrophe nimmt seinen Lauf. Resultat: Alle unglücklich.

Wenn wir uns immer wieder mit der gleichen Situation konfrontiert sehen, neigen wir in Situationen „wo der Hammer nicht funktioniert“ einfach einen „größeren“ zu nehmen. Noch wehementer versuchen wir unseren Wunsch verzweifelt durchzusetzen. Aber wie sinnvoll ist das?

Der größerere Hammer wird den Nagel auch nicht in der Wand versenken, eher machen wir den Nagel selbst kaputt.

Deshalb steht der heute Impuls im Zeichen des Ausprobierens. Wenn Dinge nicht so funktionieren, wie du es dir wünscht, so versuche das Muster zu durchbrechen. Mache dir klar, dass du deine Ziele nicht mit Gewalt erreichen kannst. Zumindest nicht ohne Schäden zu hinterlassen.

Stattdessen:

  • höre ich dich hinein,
  • atme ein, lange und langsam aus,
  • versuche die Situation aus der Distanz zu betrachen,
  • übe dich in Empathie für dich und alle anderen in der Situation
  • und probiere etwas Neues.

Und wenn du erfolgreich bist, dann bleibe dabei.

Zusammenfassend möchte ich sagen, dass wir manchmal einfach in unseren Gewohnheiten feststecken, die uns vielleicht an manchen Stellen in unserem Leben ans Ziel gebracht haben, aber langfristig unglücklich machen und uns somit die Energie entziehen.

Wenn du also im Leben irgendwo feststeckst, dann steh auf und gehe nicht weiter. Schmeiß die Krone weg und fang an zu tanzen.

„Wann ist der richtige Augenblick für Veränderung?“

Spätestens nach Eckhart Tolle kennen wir alle die Antwort auf diese Frage: Jetzt.

Warum stecken dann trotzdem so viele von uns in ihrem Unglück fest?

Liegt es wirklich daran, dass wir nicht genug meditieren, Yoga praktizieren und atmen?

Ich behaupte, dass Entspannungsmethoden dich nicht alleinig zu deinem Glück bringen. Dafür gibt es viel zu viele Hindernisse denen du gegenüberstehen, welche sich nicht mit Yoga überwinden lassen.

Ich spreche von Ängsten, fehlender Unterstützung, mangelndem Selbstvertrauen uvm. Durch Meditation gesellen sich eben nicht die Menschen zu dir, die dir guttun. Das soll nicht heißen, dass all diese Werkzeuge unbrauchbar sind. Sie machen eben nur ein Teil der Veränderung aus.

Stattdessen geht es darum sich zunächst die Hindernisse anzusehen, um dann ein passendes Werkzeug auszuwählen. Wer die Wohnung renovieren möchte, läuft schließlich auch nicht gleich mit dem Pinsel los und malt los.

Welche Hindernisse stehen uns also auf dem Weg der Veränderung im Weg?

  1. Angst vor Veränderung ( Ungewissheit, Angst vorm Scheitern)
  2. Fehlende Ressourcen ( Soziale Unterstützung, fianzielle/zeitliche Mittel)
  3. Gewohnheiten (Unangemessen/Schädlich, Konditionierung)
  4. Mangel an Selbstvertrauen (geringes Selbstwergefühl, Selbstkritik)
  5. Glaube an Veränderung (gelernte Hoffnungslosigkeit, Denkmuster)
  6. Überforderung (zu viel Veränderung, Mangel an Planung/Zielen)
  7. fehlende Motivation /falsche Prioritäten
  8. externe Faktoren (soziale/gesellschaftlicheAblehnung)

Das ist ein ganzer Berg an Gründen, der dir den Weg zu deinem Glück versperrt. Deshalb fällt es manchen von uns so schwer Veränderung herbeiführen zu können.

Zurück zur Eingangsfrage: Wann ist der beste Zeitpunkt für Veränderung?

  • Sobald der Leidensdruck so belastend ist, dass die Situation dringend einer Änderung bedarf. Wenn im direkten Umfeld so viel Unruhe, Ärger, Überforderung und Leid herrscht, sodass die Anforderungen nicht mehr bezwungen werden können. (extrinsisch)

und/oder

  • Sobald der Veränderungsdruck so groß ist, dass von innen heraus der Wunsch entsteht Veränderung herbeizuführen. Wenn die Situation grundsätzlich akzeptabel ist, der Idee nach etwas Neuem aber so verführerisch ist, dass man der Neugierde nachgehen möchte. (intrinisch)

Ob psychische, soziale oder wirtschaftliche Hürden im Raum stehen. Ob extrinsisch oder intrinsisch motiviert. Der Weg der Veränderung erfordert oft viel Mut, die Bereitschaft zur Veränderung, das richtige Maß an Motivation und manchmal eben auch professionelle Unterstützung, um den ersten Schritt zu wagen.

Love it, leave it or change it!

Darf ich Ihnen das „Tschüss“ anbieten?

Manche Tage sind einfach wie verflucht. Gerade wenn du so friedlich vor dich hin lebst, kommt so ein ‚gestresstes Nervensystem‚ um die Ecke und wirft dich voll aus der Bahn.

Spitze Bemerkungen im Vorbeigehen, übergriffiges Verhalten und Wutausbrüche von Außen kommen plötzlich und überrumpeln uns, ganz egal ob wir grade tiefenenspannt oder selbst im Stress sind.

Eine natürliche Reaktion auf einen Angriff ist die Abwehr. Insbesondere in nahen Beziehungen ist es ein klärendes Streitgespräch sinnvoll. Hier können Bedürfnisse kommuniziert werden und gemeinsame Lösungen erarbeitet werden. Es zeugt von Empathie, einen Angriff aus dem nahen Umfeld aufzugreifen, um die wahren Gründe für die Wut offenzulegen. Denn häufig sind wir, als nahestehende Personen, der „Safe Space“ an dem wir unsere Emotionen zeigen dürfen, ohne schwerwiegende Konsequenzen befürchten zu müssen.

Daneben gibt es jedoch auch Interaktionen mit unserem Umfeld, die weniger intim sind und sich spontan zeigen. Natürlich könnte man auch hier wieder in die Beziehungsebene gehen und nachfragen, wo eigentlich wirklich „der Schuh drückt“. Die Erfolgschancen zufrieden aus solch einem Gespräch gehen, schätze ich als eher schlecht ein. Wir kennen unser Gegenüber (den Postboten, Fahrradfahrer, Artzhelferin, etc. )eben nicht besonders gut, und wissen nicht welche Fettnäpfchen sich in diesem verbergen.

Wie kommen wir also gut aus so einer Situation raus?

In solchen Situationen ist es gar nicht so wichtig, sich zu wehren, sondern viel mehr sich selbst zu schützen. Deshalb steht am Anfang die Frage „Was ist mit selbst gerade wichtig?“. In den meisten Fällen dürfte tatsächlich die Antwort eher „Frieden“ als „Krieg“ sein, oder?

Mit einem ‚gestressten Nervensystem‘ lässt sich nicht konstruktiv diskutieren, da ab einem Stresspegel von etwa 70% das Rationale Denken abgeschaltet wird. Stattdessen wird die Durchblutung hochgefahren , die Muskulatur aktiviert und Sauerstoffzufuhr erhöht. Der Körper ist im Kampfmodus.

Deswegen ist meine Empfehlung:

  1. Raus aus der Situationen (Für Frieden sorgen)
  2. Selbstfürsorge (z.B. sich klar machen: „Diese Aggression hat nichts mit mir zu tun.“)
  3. Konsequent seine Wünsche verfolgen (z.B. Klärung, Vermeidung, Ignoranz)
  4. Die Situation für sich selbst abschliesen

Manche Kämpfe sind es also wert liebvoll ausgetragen zu werden, insbesondere wenn sich dahinter eine gesunde Beziehung verbirgt. Meistens sind diese kleinen Auseinandersetzungen jedoch genau die, die uns am Ende die Energie rauben und uns selbst unzufrieden machen. Wenn wir wirklich zufrieden aus schwierigen Situationen gehen möchte, so ist es wichtig seine Energie für die eigenen Interessen zu bewahren und die Situation für sich selbst auf psychischer und körperlicher Ebene abzuschließen. Mehr zum Thema Regulation erfährst du wöchentlich in meinem Blog.

Tschüss 🙂

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